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Predigt zu Hl. Abend von Pfarrer Anghel

Liebe Schwestern und Brüder!
Ist Ihnen, und euch schon einmal aufgefallen, dass im vertrauten Weihnachtsevangelium, das wir eben hörten, kein Mensch auch nur ein einziges Wort spricht? Maria sagt kein Wort, Josef sagt kein Wort, und das Jesus Kind spricht natürlich auch noch nicht. Auch die Hirten lassen zunächst kein Wort hören. Angesichts der Menschwerdung Gottes scheinen menschliche Worte fehl am Platz, hilflos zu sein, noch begrenzter als sonst. Sie können nicht beschreiben, was da im Bethlehem tatsächlich geschehen ist. Da müssen Worte von Engel her, um zur Sprache zu bringen, was im armen Stall sich ereignet hat. Die Engel sind die ersten, die etwas darüber sagen Denn zu groß und unfassbar, zugleich aber wunderbar und herrlich ist das Geheimnis der Menschwerdung Gottes. Kein Mensch, keine Religion hatte sich jemals gewagt zu deuten, geschweige zu behaupten: in einem kleinen Kind, neu geboren, das mit Händen und Füssen strampelt, das hilflos nach Geborgenheit, Wärme und der mütterlichen Brust sucht, tritt Gottes Sohn selbst in diese Welt ein. Der Prophet Jesaja beschrieb sein Ankommen mit großen Worten: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Fürst des Friedens. Eine gewaltige Beschreibung für 50 Zentimeter Mensch, für ein hilfloses Wesen, das gerade geboren wurde und eigentlich nichts kann. In der Nacht der Geburt Jesu traut sich kein Mensch vor so ´nem kleinen Wesen den Mund voll zu nehmen und zu sagen: das ist der Retter, der Heiland, der Messias.
Was der Mensch nicht machen kann, weil er befangen ist, das machen die Engel, die aus einer anderen Sphäre kommen und einen anderen Blick und Perspektive haben.
Und so lauten die erstgesprochenen Worte des Weihnachtsevangeliums, durch Engel aus dem Himmel gesprochen: „Fürchtet euch nicht!“ Sie werden den Hirten damals und uns heute zugesprochen. Es gibt Bibelkenner die sagen, dass der Satz „Fürchte dich nicht!“ 365 mal in der Bibel steht. Dass er uns also für jeden Tag des Jahres zugesprochen wird. Dieses Mal aber ganz besonders mit der Begründung aller Begründungen: „Fürchtet Euch nicht, denn euch ist der Retter geboren. Er ist der Christus, der Herr!“ Er ist nicht nur seinen Eltern, nicht nur seinem Volk geboren, sondern EUCH, uns allen.
„Fürchtet Euch nicht!“ – Das ist die Kernaussage über dem Fest der Geburt Jesu, an diesem Weihnachten – besonders in diesem Jahr, vom Corona-Virus geprägt! Für viele Menschen auf dem Erdball ist das Jahr 2020 ein Jahr der Furcht. Neue Fragen drängten sich neben den alt Vergessenen: Wie werden wir mit diesem Virus leben lernen? Wird es einen für alle verfügbaren Impfstoff geben? Wie viele Existenzen stehen auf dem Spiel? Wie wird das nächste Jahr aussehen angesichts der jetzigen Krise? Ein kleiner Virus hat gezeigt, dass wir allein auf all unsere selbstgemachen, ausgeklügelten Sicherheiten nicht bauen können. Wir müssen offen bleiben auch für Neues, für Überraschungen, für Herausforderungen, für nicht Geplantes und Schwieriges. Wir müssen auch die Komfortzone verlassen, um Lösungen auf den Weg zu bringen für die Probleme in der unmittelbaren Nähe und in der Welt. Dort, wo Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Ausbeutung stattfinden und Flüchtlinge, Arme und Kranke Menschen hervorbringen, hinschauen und helfen. Dahin will das göttliche Kind in der Krippe unseren Blick und Herz auch hinführen. Wir müssen die Perspektive wechseln von nur Ich, Ich, Ich, von einer egoistisch verstandenen Selbstbestimmung, von der Haltung „ich tue nur das, was mir Spaß macht“, zum Gemeinwohl hin, zum Mitdenken und Mittragen. Gott macht sich gerade deswegen klein, damit er zugänglich ist. Gott bleibt nicht in den hohen herrlichen, himmlischen Sphären, er steigt herunter in die Niederungen und Abgründen des menschlichen Lebens. Seit Weihnachten ist er zu Erkennen im Flüchtling, Vertriebenen, Obdachlosen Ausgehungerten und Entführtem Kind und Mensch. Er ist bei dem Covid – und Krebs-Kranken dabei. Er ist bei dem einsamen und verlassenen Menschen.
Gott ruft uns an diesem Weihnachten: Fürchtet euch nicht, gütig, friedfertig, hilfsbereit, mitfühlend und geduldig zu sein, Gutes zu tun und zu lieben.
Wo wir manchmal nicht mehr die Kraft aufbringen, selbst ermutigende, herausfordernde aber nötige Worte zu sagen, da wird es Weihnachten im Jahr, da tritt Gott in unserem Leben, im Geschehen der Welt. Da spricht uns Weihnachten wie die Engel damals den Hirten: „Fürchtet euch nicht!“ denn euch ist der Retter geboren. Er ist der Christus, der Herr! Das Heil, die Wende zum Guten, die Nächstenliebe, der Friede und die Versöhnung fangen nicht gleich groß an. Sie fangen vom klein an zu wachsen, so wie Er, der Heiland, den wir jetzt in die Krippe als Kind anschauen. Mit Ihm kommt aber neue Hoffnung, Kraft und Segen für all das, was bevorsteht, für all das, was der Mensch brauch, um in Frieden zu sein. Fürchte dich nicht, Ihm deine Sorgen und Bedenken, Misslingen und Angst zu geben. Fürchte Dich nicht, dein Leben, das Leben deiner Lieben Ihm Neu anzuvertrauen. Denn er ist Gott mit uns, der Friedensfürst, und Wunderbarer Ratgeber, Herr über Leben und Tod. Geben wir uns selbst ihm hin, liebe Schwestern und Brüder, und werden dadurch zu Engel auch ohne Flügel, die aber mutig neu vertrauen, lieben und Frieden verkünden und bringen um uns, in der Welt, Amen!