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Osterpredigt von Diakon Peter Walter

Jeder muss sterben, vielleicht sogar ich hat Fredl Fesl amoi gsagt. Und wenn's dann amoi so weit ist … is ma als Angehöriger in der Regel zuerst moi mit Terminen, Rennereien, Formaltäten und Gesprächen beschäftigt. A schlimme Zeit für Trauernde fängt aber a nach der Beerdigung o … ned nur wenn Rechnungen ins Haus flattern oder womöglich a Streit ums Erbe losgeht, wenn nix gschriebn is.
Man kimmt in d’leere Wohnung und is plötzlich alloa. Koana begrüßt oan. Koana spricht a Wort. Alloa essen, alloa Fernsehn, alloa ins Bett geh und aufwacha, ohne dass jemand danebn liegt.                                   
Es is so langweilig hat letztens jemand zu mir gsagt.  Und der Verstorbene lächelt oan - so erleb i’s oft – von am Buidl entgegen.
Oa Platz bleibt leer und d'Welt draußen läuft ihren gewohnten Gang weiter. Aber wie haut’s hi … s’Weiterleben ohne den geliebten Menschen?
Die Anteilnahme – und i woaß vo was i red - überfordert anfangs ganz oft … z'vui Anrufe … oiwei des Gleiche erzähln … Telefonmarathon, der schnell mal zvui werd … nerven ko ... a wenn's guad gmoant is … Nach der Beerdigung – und des is traurig - lässt ois bis auf wenig Ausnahmen – ich erleb’s grad bei meiner Mutter – schlagartig nach.
Wenig Anrufe, wenig Bsuach, koa Post mehr … vielleicht a zufälligs Treffen am Friedhof. Schön, dass i di seh … scho so lang nimm i mir vor, dich anzurufen. Kimm hoid oafach amoi bei mir vorbei!                
Des kannt ma sich – meiner Meinung nach – wirklich oft sparen.
Wie wird man mim Tod eines lb. Menschen fertig?  Wie find ma wieder zruck in an normalen Alltag?                                       
Patentrezepte oder medizinische Verordnungen gibt's ned. Es hängt vielmehr von der eignen Lebenseinstellung und dem eignen persönlichen Verhalten ab … ob …  und wia man's schafft die Trauer zu bewältigen.
Es gibt soviel Trauerwege wie Menschen … und jeder Weg – ganz gleich, wie der ausschaut – is völlig berechtigt.
Da gibt’s die, dene die andauernde Erinnerung an den Verstorbenen z’vui is. Und deswegen fangen’s an, auszuräumen … Schränke mit Kleidungsstücken und all dem, was an den Verstorbenen erinnert muss so schnell wie möglich weg und verschwinden.
Des andre Extrem: ois muss so bleiben, wie’s war. Die Zeit bleibt stehn. S’Kalenderblatt des Todestages wird ned abgerissen. Die Tasse, aus der da Verstorbne zum letzten Mal trunken hat, wird nimma angerührt. Des, was er vor’m Einschlafa glesen hat, bleibt am Nachtkastl liegen. Und da Verstorbne lächlt oan von am Buidl entgegen.                         
Jeder, der um einen lieben Menschen trauert, muss sein eignen persönlichen Weg finden … ganz gleich ob durchs Ausräumen oder dass ois so bleiben muss, wie’s war.
Jeder, der um einen lieben Menschen trauert, muss zwischen diesen beiden Extremen sein eignen Weg finden … so wie die Frauen, die nach der Kreuzigung des Grab vo Jesus aufsuchen. Mit wohlriechenden Ölen wollen sie Jesus salben.
Das heutige Evangelium – mein ich - schlägt uns diesbezüglich no an andern Weg der Trauerverarbeitung vor. Dieser Weg is für uns nichts Neues, aber i denk, er is wert drüber nachzudenken.
Er ist auferstanden, er ist nicht hier …  hat da Engel im Grab zu dene zwei Frauen gsagt. I sags mit eigenen Worten: geht's dahi, wo ois ogfanga hat ... sucht's die Orte auf, an denen er euch mit seine Ideen begeistert hat. Und … handelt's wie er … in seim Sinn. Ihr werd's seng: er ist da bei euch.
Trauerverarbeitung durch des, was dem Toten im Leben wichtig war, d.h. die Werte pflegen und weiterleben, die dem Toten a Anliegen warn, die er selbst gern gmacht hat … die ihm vielleicht sogar heilig waren … Trauerverarbeitung durch des, was da Tote - so könnt ma sagen – ois Erbe hinterlassn hat.
Und Albert Schweizer (1875-1965), hat dazu amoi passend gsagt: das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren von Liebe die wir hinter-lassen, wenn wir gehen …
•Spuren der Hilfsbereitschaft, des Gerechtigkeitssinns und der Wahrheit hat mir mein Vater hinterlassen … und bei meinen Bergtouren denk i an die Spuren seiner Liebe zur Natur.
Welche Spuren – und überlegt jetzt selbst – hinterlassen wir eigentlich amoi nach unserm Tod?
Und welche Spuren im Leben hat uns Jesus eigentlich als Christen hinterlassen?   
In der Bibel – im NT – find ma die Spuren von Jesu:
Tut dies zu meinem Gedächtnis hat Jesus beim letzten Abendmahl zu seinen Jüngern gsagt … und damit a Zeichen gesetzt.                                     
Es is vollbracht waren seine letzten Worte am Kreuz.
Er ist nicht hier, er ist auferstanden hat der Engel gesagt …          
Die Evangelien schweigen sich über den genauen Ablauf der Auferstehung aus. Und a die Jünger Jesu ham ned ois gfressn und mehra Anläufe braucht, um zu verstehen, dass Jesus wirklich lebt. Und da dro hat sich bis heut nichts geändert.
Ich glaub wir modernen und aufgeklärten Menschen brauchen grad heutzutag amoi den Mut, zuzulassen, dass was gibt, des unsre Vorstellungskraft übersteigt. Wenn wir Glaubensfragen nur mit dem Hirnkastl an uns heranlassen, dann bleiben wir – wie so vui Menschen heutzutag - an der Oberfläche unsres Lebens hängen.                    
Trotz aller Negativnachrichten über d’Kirch is für mich heut’ oiwei noch ein Zeichen von Auferstehung, dass es noch Menschen gibt, die sich für die Sach’ Jesu begeistern, sich dafür einsetzen und so wie wir als Christen in seinem Namen zamkemma.
Für mich san die Tage zwischen Gründonnerstag und Ostersonntag so wos wia a Lebensschule. Da steckt der Kern all unsrer menschlichen Lebenserfahrung drin. Krisenzeiten, wie Tod und Sterben gehören hoid a zum Leben … und jeder von uns muss seinen eignen Weg der Trauerverarbeitung finden.
Dass „danach“ gar nichts mehr gibt, kann koana beweisen … und dass mim Tod ned ois aus ist – schaun wir auf Jesus - darauf können wir nur vertrauen … so wia a Drittklassler, der amoi zu mir gsagt hat:                 
i glab, dass guad ausgeht … a Satz, den i nia vagiss!
Tod und Sterben – oiso Karfreitag – is ned s’Letzte, sondern s’Leben. Das is die guade Nachricht ... und das feiern wir heut.                                 
Er ist nicht hier, er ist auferstanden.
Helmut Zöpfl hat „Auferstehung“ – und da spricht er mir aus dem Herzen - so beschrieben:

Liaba Gott, dua mir oan Gfalln:                                                                    
Wenn mir amal auferstehn solln,                                                                       
mach mi net zu so an komischn Geist,                                                   
der wo grad Hosianna singt und Manna speist.                                             
Lass doch bittschön aa da drübn                                                                      
no a bisserl was sei von unserem Herübn!
I bitt di recht schee, erfüll mei Gebet:                                                       
Vergiss übern Großn as Kloane net!                                                                     
Lass net bloß de ganz Fromma drobn sein,                                             
net nur grad de mitm Heilignschein,                                                          
sondern aa de andern Leut!                                                               
Glaub mas, mit dene hast bestimmt aa dei Freid.
Lass mein gstorbna Schuifreind aa umanandarenna,                                                 
wars aa a Strizi, du werstn scho kenna.                                                             
Und des junge Madl von vis-a-vis,                                                                
des aus Verzweiflung wo obeghupft is.                                                                
Den altn Kramer vorn vom Eck,                                                                           
Aa wenn eahm as Bier hat so narrisch guat gschmeckt                                     
und de alt Tant, de so grantig hat gschaut,                                                         
lass eine, sie war doch a seelnguate Haut.
Und no a ganz a bsondre Bitt hätt i fei:                                                         
Lass aa de Viecherl da drobn wieder nei!                                                    
Lass singa und wiehern, gackern und belln,                                                      
des stört ganz bestimmt net de himmlischn Seeln.
Lass oiso, i bitt di, vom irdischen Leben                                                         
aa bei dir dort obn was im Himmi drin gebn!                                             
Gib, dass i alls, was i gern hab, da drobn wiederseh!                                        
Und dank dir aa schee!                                                                                          
(Aus: Helmut Zöpfl, Geh weiter, Zeit, bleib steh!)