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Ja zur „Freundschaftsanfrage Gottes“ gesagt - 114 junge Christen im Pfarrverband Anger-Aufham-Piding feiern Firmung

Seit dem 2. Adventssonntag haben sie sich auf diesen großen Tag vorbereitet: 114 junge Christen des Pfarrverbands Anger-Aufham-Piding empfingen nun das Sakrament der Firmung. Sie sagten damit bewusst „Ja“ zur Verbindung mit Gott durch den Heiligen Geist, zu dem, was mit ihrer Taufe begonnen hatte. In der Pfarrkirche Piding firmte Domkapitular Monsignore Wolfgang Huber 57 Pidinger Jugendliche. In der Pfarrkirche Anger besiegelte der Domkapitular im Ruhestand, Prälat Josef Obermaier, 39 Buben und Mädchen aus Anger und 18 aus Aufham mit der Gabe des Heiligen Geistes.

   Zur Zeit der Firmvorbereitung unter Leitung von Diakon Peter Walter gehörten unter anderem ein kommentierter Gottesdienst, damit die Firmlinge einen Bezug zum Ablauf der Eucharistiefeier aufbauen können, ein Taizégebet und ein Jugendkreuzweg. In zwölf Gruppen mit 24 Firmbegleitern aus dem Kreis der Eltern setzten sich die Jugendlichen mit Themen wie eigene Identität, Jesus, Gottesbild oder Heiliger Geist auseinander. Dazu kam ein „Firmpraktikum“ nach Wahl, etwa in einem Altenheim, im Eine-Welt-Laden oder in der Palliativ-Station. Besonders beliebt war die Mithilfe bei der „Tafel“ in Bad Reichenhall.

   Das gesamte Pastoralteam – neben dem Diakon Pfarrer Ionel Anghel sowie Gemeindereferentin Marianne Aicher – feierte jeweils die Firmgottesdienste in den festlich geschmückten Gotteshäusern mit. Die schwungvolle musikalische Umrahmung übernahmen in Anger Martina Jakob und der Projektchor „Firmung“, beispielsweise mit „Feuer und Flamme, lebendiges Licht“ oder dem Taizé-Lied „Veni, Sancte Spiritus“. In Piding sang der Chor „Junge Musik“ unter Leitung von Christian Stöberl unter anderem „Gib uns Leben aus dem Geist“, und Anni Utz spielte die Orgel.

   Auf unterschiedliche, jugendgemäße Weise legten die Zelebranten das von Peter Walter vorgetragene Evangelium über das Liebesgebot aus. „Ich will kein neues Gebot. Ich will erwachsen, frei werden“, versuchte Prälat Obermaier in Anger den Gedanken so manches jungen Menschen zu lesen. Jesus habe aber kein neues „Gebot“ gegeben, sondern alle Gebote zusammengefasst in einer Formel: Gott, den Mitmenschen und sich selber lieben. Als Synonym für „ich liebe“ schlug Obermaier „ich habe Zeit“ vor, denn für das, was man liebt, habe man immer Zeit. Zeit haben für Gott – das könne bedeuten, nach dem Aufwachen das Fenster zu öffnen und „Danke“ zu sagen, auch für den Regen, und nicht nur das Fenster, sondern auch Augen und Sinne aufzumachen. Es könne mittags heißen, kurz vor dem Essen inne zu halten und leise dafür zu danken. „Dann sehe ich das Essen ganz anders, und es schmeckt gang anders.“ Und abends sei es möglich, den Tag ein paar Minuten im Gespräch mit Gott passieren zu lassen und so ganz anders einzuschlafen. Auch auf die Bedeutung des Sonntags und die wichtige Erfahrung, dass man sich in einer Gruppe von Menschen engagiert und dort mit seinen Talenten gebraucht wird, ging Obermaier ein. Zeit haben für sich selbst könne heißen, ab und zu alleine zum Nachdenken „zu verkriechen“ an einen Platz in der Natur oder mit dem Tagebuch, oder mit dem Paten ein gutes Gespräch zu führen.

     In Piding zog Wolfgang Huber das Bild der sozialen Netzwerke heran. Damit aus einer Facebook-Freundschaftsanfrage und einer virtuellen Freundschaft echte Freundschaft wird, seien Begegnung und konkrete Erfahrungen erforderlich. Dann seien wir nicht nur als „Face“, als Gesicht, sondern mit unserer ganzen Persönlichkeit gefragt. Die Freundschaftsanfrage Gottes aus der Taufe werde in der Firmung fortgesetzt und gestärkt. Gott bleibe aber nicht im virtuellen Raum, oder im Himmel hängen, sondern zeige sich uns von Angesicht zu Angesicht. Symbole dafür seien auch die Zeichen bei der Firmspendung. Die Namensnennung bedeute: „Es geht um dich“. Die Freundschaft Gottes werde besiegelt mit Chrisam, mit dem früher nur Priester, Propheten und Könige gesalbt wurden. Als Präsident von Missio berichtete Huber von einer bewegenden Begegnung mit jungen Christen in Äthiopien und lud die Firmlinge dazu ein, miteinander in der einen Familie der Glaubenden in Respekt voreinander und vor der Schöpfung die Welt zu gestalten.

   In Gruppen kamen die Firmlinge mit ihren Paten nach vorne und empfingen das Sakrament. Nach den Gottesdiensten luden die jeweiligen Pfarrgemeinderäte zum Stehempfang ein.    

Bericht und Bild: Veronika Mergenthal

Die Gruppenbilder der Firmungen können wir leider nicht veröffentlichen, weil nicht alle Eltern die Einverständnis dazu erteilt haben...