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Die Kunstwerke im Kindergarten

Gedanken von Dr. theol. Ulrich Schäfert

Als klar war, dass unser neuer Kindergarten wie unsere Pfarrei „Maria Geburt“ heißen sollte, beschlossen wir auch Kunstwerke aufzustellen, die an Maria erinnerten:

Die Figuren sollten Schutz, Geborgenheit, Gemeinschaft, Liebe ausdrücken.

Eine alte Figur aus dem Kunstschatz der Pfarrei im Kindergartengebäude sollte die jahrhundertealte Geschichte unserer Pfarrei deutlich machen und an Mariä Geburt erinnern.

Eine der wenigen Darstellungen der Kunstgeschichte, in der Maria selbst als Kind, kurz nach ihrer ‚Geburt’ gezeigt wird, ist der Figurentypus der „Anna Selbdritt“, mittelhochdeutsch für ‚Anna zu dritt’. Wir haben das Glück, dass sich im Figurenschatz unserer Pfarrei eine wertvolle Anna-Selbdritt-Figur aus der Zeit um 1380 befand: Die Figur zeigt die Mutter Marias, die heilige Anna mit ihrer Tochter Maria und ihrem Enkelkind Jesus auf dem Schoß. Maria ist mit der Krone als ‚Himmelskönigin’ gekennzeichnet. Das Jesuskind macht mit einer Hand den Segensgestus und hält in der anderen Hand den Reichsapfel als Symbol seiner Herrschaft als Friedensfürst. Die bemalte Holzskulptur ist so Bild für den Schutz, die Fürsorge und Liebe der Mutter für ihre Kinder und Enkel; für die Gemeinschaft der Generationen. Eine Gemeinschaft, wie sie auch heute in der liebenden Sorge der Eltern und Großeltern für ihre Kinder und Enkel gelebt wird.

Zugleich kann die Figur die Fürsorge der Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen für die Kinder hier im Kindergarten zum Ausdruck bringen. Eine neue Figur sollte schon vor dem Kindergarten zeigen, dass in diesem Haus Kinder leben, lernen und spielen. Um den Schutz Marias auszudrücken, sollte die Figur an eine Maria mit dem Schutzmantel erinnern, wie sie etwa auch in einem mittelalterlichen Bild an der linken Chorwand in der Kirche von Mauthausen dargestellt ist: Die Menschen, ob jung, ob alt, ob reich, ob arm, ob Mann oder Frau finden Schutz unter dem Mantel von Maria. Nachdem zu Beginn noch geplant war, wirklich Maria mit dem Mantel darzustellen und Kinderfiguren unter diesem Mantel, wurde der Entwurf mit der Zeit passend zur Gestaltung des Kindergartens durch Architekt Götz immer einfacher und reduzierter: Nun symbolisieren drei gebogene Stelen den Schutzmantel Marias. Die Kindergartenkinder können zwischen den Stelen durchlaufen, wie Kinder durch die Rockzipfel der Mutter.

Die Figur zeigt den Schutz nach Außen an: Außen sind die Alustelen hart und unbemalt. Sie halten alles Gefährliche ab. Im geschützten Inneren aber spielt sich das bunte Leben ab: Die Kinder selbst haben dieses bunte Innenleben auf weißer Grundierung gestaltet: jede Gruppe hat in der Farbe ihres Gruppenraumes eine Stele bemalt und jedes Kind der Gruppe hat nach eigener Idee ein Bild dazu beigetragen.

So versinnbildlicht die Figur auch die Gemeinschaft der drei Gruppen und aller Kinder im Kindergarten.

Die Figur zeigt somit schon vor dem Kindergarten: Hier können Kinder leben: nach Außen geschützt und im Inneren das bunte Leben!

Die Kinder selbst haben somit die Figur entscheidend mitgestaltet, Dank auch den Kindergärtnerinnen für die gute Zusammenarbeit und der Kirchenverwaltung für die Unterstützung der Idee! Die praktische Umsetzung der Figur war durch die großzügige und sachkundige Hilfe der Firma Stahlbau Bender und die Arbeit der Landschaftsarchitekten ‚Grünplan’ unter Federführung von Herrn Kellermann möglich. Finanziert wurde die Figur durch Gelder des unermüdlichen Flohmarkt-Teams der Pfarrei unter Leitung von Helga Gruber.

Herzliches ‚Vergelt’s Gott’ dafür!