Drucken

Jahresschluss 2020 in Piding und 50 Jahre Kirchenmusik: Ehrung für Anni Utz

Mit einem festlichen Gottesdienst am Sylvesterabend hat die Pfarrgemeinde Piding das alte Jahr verabschiedet. Pfarrer Ionel Anghel zelebrierte die Messe gemeinsam mit Gemeindereferentin Marianne Aicher. Diese übernahm auch den Part der Predigt. Sie nahm in ihren Gedanken Bezug zu den zuvor gehörten Lesungen und zu einem wegweisenden Thema im Leben der Menschen: den Entscheidungen.  „Wie treffen Sie ihre Entscheidungen, mit dem Bauch oder dem Verstand?“, fragte die Gemeindereferentin in den Raum.  Gerade der Jahreswechsel sei die Zeit, in der sich viele Menschen neu ausrichten und manche neue Ziele setzen. Aicher weiter: „Für unsere Entscheidungen heißt dies: In allem, was einem leicht von der Hand geht, was einen richtig freut, was den eigenen Begabungen entspricht, liegt ein Wink für eine gute Entscheidung. Bei Entscheidungen geht es auch darum zu wissen, wo ich hinwill. Was mir wichtig ist. Worauf es mir wirklich ankommt. Der innere Orientierungssinn ist also gefragt“,  stellte die Gemeindereferentin fest. Manchmal  werde die Entscheidungsfindung überdeckt durch Sorgen, Enttäuschungen oder auch die Erwartungen von anderen. In ihren Ausführungen kam sie auf die Bedeutung einer gesunden Portion Realismus zu sprechen, die zur Entscheidungsfindung beiträgt. Ein weiterer Aspekt  sei die Angst. „ In unseren Entscheidungen spielt manchmal auch Angst eine Rolle. Angst ist nicht unbedingt etwas Schlechtes. Angst ist in Entscheidungssituationen sinnvoll. Wie können wir trotz der Angst gut entscheiden? Da ist es meines Erachtens wichtig, auf die Angst zu schauen, vor was genau habe ich Angst“, motivierte sie zu detaillierter Betrachtungsweise und realistischer Einschätzung. Am Ende der Predigt richtete Marianne Aicher den Blick zurück auf die Tageslesungen und warf verschiedene Fragen auf. „Die heutigen biblischen Texte fordern von den Menschen Entscheidungen. Will ich zu Christus gehören? Bin ich bereit dafür immer wieder nach der Wahrheit zu suchen? Ist Christus, der auf die Welt gekommene Gott und was bedeutet es in meinem Leben praktisch, wenn ich mich dafür entscheide? Kopf oder Herz, beides spielt in unseren Entscheidungen eine wesentliche Rolle“, unterstrich Marianne Aicher und schloss ihre Predigt mit den Wünschen:  „So wünsche ich uns allen, dass wir mit Kopf und Herz gute Entscheidungen treffen können.“  Festlich gestaltete sich der weitere Verlauf der Messe. Kirchenmusikerin Anni Utz und Tochter Anna Maria setzten dabei sehr abwechslungsreich mit Orgel, Klavier, Flöte und Gesang die besonderen Akzente. Und Anni Utz selbst rückte gegen Ende des Gottesdienstes in den Mittelpunkt. Es war eine gelungene Überraschung, als sie Pfarrer Ionel Anghel nach der Kommunion nach vorne in den Altarraum bat. Anni Utz ist seit 50 Jahren in Piding als Kirchenmusikerin angestellt und wurde für diesen langen Dienst mit herzlichen Worten vom Pfarrer gewürdigt. Spontan spendeten die Gottesdienstbesucher anerkennenden Applaus. Und mancher von ihnen mag wohl an ihre humorvollen Einlagen an den Faschingssonntagen gedacht haben. Denn dann hat Anni Utz immer einen besonderen Auftritt als  „Kreszenz Tastenschlager“  und nimmt bei einer hintersinnigen Faschingspredigt kein Blatt vor den Mund.  Und so wertete Pfarrer Anghel den bunten Blumenstrauß, den Pfarrer Ionel Anghel überreichte als  sichtbares Symbol der rührigen Kirchenmusikerin. Ein Gutschein und eine Urkunde vom Amt für Kirchenmusik der Diözese München und Freising waren die weiteren Zeichen der Anerkennung und des Dankes. 

50 Jahre Kirchenmusikerin

Anni Utz ist seit 50 Jahren Kirchenmusikerin in der Pfarrei Piding. Ihre kirchenmusikalische „Karriere“ begann schon sehr früh. Anni Utz erinnert sich: „Mein Vater Martin Argstatter war Organist und Chorleiter in Piding. Als ich acht Jahre alt war, habe ich schon im Chor mitgesungen. Ich war das einzige Kind und für mich war es selbstverständlich mit zum Singen zu gehen, denn viele weitere Familienmitglieder waren auch mit im Chor.“ Der damalige Pfarrer Ludwig Klöck motivierte das Mädchen damals, nach Salzburg am Mozarteum ein Musikstudium zu beginnen. Im Alter von 16 Jahren belegte die junge Pidingerin dann ein Seminar für Kirchenmusik bei den Salzburger Nachbarn. Aufgrund interner Umstrukturierungen am Mozarteum legte Anni Utz dann die Prüfung in München ab. 1968 veranstaltete ihr Vater erstmals ein Adventsingen in Piding, viele weitere  Jahre haben Vater und Tochter die vorweihnachtliche Stunde gemeinsam organisiert. Anfang 1971 hat Anni Utz dann einen Vertrag bei der Pfarrei Piding als Kirchenmusikerin unterschrieben. Sie saß an der Orgel, ihr Vater war nach wie vor Chorleiter.  Im Jahr 1985 gab es in Piding ein großes Jubiläum, die 1250-Jahr-Feier der Gemeinde. Martin Argstatter war es nicht vergönnt, die große Feier mitzuerleben. „Im April 1985 ist mein Vater verstorben. Er  hatte sich jedoch bereits im Januar Gedanken zur kirchenmusikalischen Gestaltung für die Feierlichkeiten im August gemacht. Was blieb mir damals anderes übrig: Ich habe meine Tracht angezogen und mich dann hingestellt und den Chor dirigiert“, erinnert sich Anni Utz an die Zeit, als sie das Erbe ihres Vaters weiterführte und den Kirchenchor übernahm. Mit der neuen Chorleiterin hat sich auch das Repertoire der Singgemeinschaft geändert. „Vorher waren es meist Messen in lateinischer Sprache, die wir gesungen haben, mir war aber von Anfang an wichtig, anderes Liedgut einzuüben“, erzählt Anni Utz von ihren damaligen Zielen. So hat sie wiederholt Kurse in Rosenheim zum Thema „Geistliches Volkslied“ besucht und dank ihrer guten Kontakte auch manch weitere  interessante Chorliteratur nach Piding gebracht. Anni Utz hat aber stets über den Tellerrand hinaus geschaut und sich nicht nur um die musikalische Gestaltung der Gottesdienste gekümmert. Im Laufe der Jahrzehnte hat sie zahlreiche Veranstaltungen in der Pfarrkirche organisiert.  Die Pidinger Themenveranstaltungen wie Adventsingen, Mariensingen oder Passionssingen sind  bis heute weit über die Gemeindegrenzen hinaus hoch geschätzt und erfreuen sich hoher Besucherzahlen. Eigens für besondere Veranstaltungen hat Anni Utz auch das Ensemble der „Pidinger Kirchenbläser“ gegründet. Die Leitung des Kinderchores ist ein weiteres musikalisches Aufgabengebiet, das Anni Utz bis heute mit großem Elan ausfüllt.  Nach 50 Jahren vertraglich verpflichtete Kirchenmusikerin schaut sie dankbar auf jene Menschen, die es ihr ermöglicht haben, diese teilweise recht zeitintensive Tätigkeit auszuführen. „Ich habe sehr viel von meinem Vater mitbekommen. Das hat mir vieles in der Praxis erleichtert. Mein Mann Hans und unsere Töchter  haben immer großes Verständnis gehabt, wenn ich jeden Sonntagvormittag in der Kirche an der Orgel saß und die Familienaktivitäten erst gegen Mittag beginnen konnten“. Und dort an der Orgel sitzt Anni Utz auch nach 50 Jahren noch mit viel Elan. „So lange es geht möchte ich weitermachen. Aber besonders freut es mich, dass ich große Unterstützung von meiner Tochter Anna Maria habe, die ebenfalls eine fundierte musikalische Ausbildung hat, unter anderem die Orgel spielt und mich oftmals bei Gottesdiensten musikalisch begleitet“.

Bericht: Maria Horn

Bild: Norbert Titze