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Erfahrungen einer Pidinger Ministrantin in Amerika

In Amerika gibt es eigentlich nur zwei Extreme, entweder die Leute glauben gar nicht an Gott, sind also Atheisten oder sie sind extrem gläubig und übernehmen alles was in der Bibel steht eins zu eins.
Auch wenn ich nicht unbedingt von Katholiken in der USA reden kann, da ich in einer evangelischen Glaubensgemeinde war und meine Gastfamilie auch diese Glaubensrichtung hatte, kann ich doch sagen, dass die Kirche, das ganze Interagieren mit den Mitmenschen/ -gläubigen anders ist, was man auch teilweise auf der Straße oder auch in der Schule merkt. Auch der Gottesdienst wird ganz anders gestaltet.

In meiner Gemeinde, in der ich als Gast war lief der Gottesdienst folgendermaßen ab:
Vorne in jeder Bank befanden sich 2 Psalmen-Gesangbücher und eine Bibel. Das Innere der Kirche war schlicht und modern gehalten ohne übermäßig Gold oder Dekoration. Das einzige was es gab war ein einzelner Kunstblumenstrauß vor dem Altar und einige schlichte Verzierungen in der Ausstattung dieser Kirche. Es gab auch keine Kreuze im Inneren. Der ganze Raum war sehr hell mit hohen Fenstern und weißer Farbe an den Wänden. Der Pastor trug auch keine spezielle zeremonielle Kleidung sondern nur einen schlichten Anzug. Auch musste man sich erst daran gewöhnen, dass er verheiratet war und Kinder hatte.
Vor dem Start des Morgengottesdienstes hatte der Pastor immer einige Ankündigungen, die nicht immer unbedingt kirchlicher Natur sein mussten, sondern auch teilweise politischer, wie z.B. friedliche Proteste, sein konnten oder einfache HInweise zum Verhalten in der KIrche. Die Kirche war zu klein für eine Orgel oder dergleichen, also sangen die Leute dort acapella, was sich erstaunlicherweise echt gut anhörte, da sie alle singen konnten. Nach dem Eröffnungslied wurden Passagen aus der Bibel mal vom Pastor und manchmal gemeinsam vorgelesen. Auf diesen wurde dann die Predigt(en) aufgebaut.
Beim Abendgottesdienst wurden zudem Liedwünsche aus dem Psalmen-Liederbuch angenommen und am Ende wurden die Leute, die in der Kirche waren gefragt, für wen sie gerne beten würden. Aus den Antworten bestand dann das Schlussgebet. Der Rest verlief wie im Morgengottesdienst, nur dass dieser ein bisschen länger war.
Während des Schuljahres, also wenn gerade keine Ferien waren hatte man zudem vor dem Morgengottesdienst noch Religionsunterricht, da dieser in der USA an Schulen verboten wurde. Insgesamt verbringt man dann 3 Stunden in der Kirche.
Einmal im Monat setzten sich alle Mitglieder der Kirchengemeinde zusammen, jeder brachte was zu essen mit und man redete einfach und tauschte sich aus. Zudem gab es einmal im Monat auch die Abendmahlsfeier, an der nur vollwertige Mitglieder der Kirchengemeinde teilnehmen durften. Auch Außenstehenden war es verboten daran teilzunehmen.
Ein weiterer Unterschied besteht auch darin, dass viel mehr junge als alte Menschen die Kirche besuchen. Die ganze Atmosphäre ist auch familiärer was wahrscheinlich daran liegt, dass jeder jeden kennt und man nach der Kirche noch mindestens eine halbe Stunde zusammensteht.

Steffi Menges