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Johannishögl

An der Südwand der Kirche wurden 1948 die ältesten Fresken des Rupertiwinkels entdeckt und freigelegt.

Die Fresken lassen sich drei Zeiträumen zuordnen:

Die erste Schaffensperiode fällt in die Zeit um 1250: Eine Christophorus‑Darstellung voll Ernst und herber Verhaltenheit, reinste Romanik. In der Zeit des Mittelalters bestand der Glaube, dass der Anblick des Hl. Christophorus vor einem plötzlichen Tod an diesem Tag bewahre, weshalb sich Darstellungen dieses Heiligen an vielen Fassaden und Kirchenwänden finden.

Weiter rechts eine prachtvolle Darstellung aus der Welt des Hochmittelalters, die Legende des hl. Georg. Ganz anders als im Kirchenraum ein schöner, in allem höfischen Glanz erstrahlender Ritter und ein phantastisches Flügelungeheuer als Drache, den St. Georg bezwingt - die Erzählerfreude mittelalterlicher Epen scheint hier auf. Zur Linken hält die von Georg gerettete Königstochter das Untier mit einem Strick fest, während rechts im Bild die königlichen Eltern aus den obersten Fenstern eines Turmes den Kampf beobachten. Der Künstler dürfte dieses Bild ebenso wie eine Enthauptungsszene (St. Alban?) und die Darstellung des Martyriums des Hl. Erasmus Mitte des 14. Jahrhunderts geschaffen haben. Diese Fresken wurden von Expertenseite als einzige Wandmalereien nördlich der Alpen im Stil der weltberühmten Runkelsteiner Fresken (Südtirol) bezeichnet.

Ganz vom Einfluss italienischer Kunst scheinen die hochwertigen  Wandmalereien einer wohl salzburgischen Malerschule aus der Zeit um 1400 geprägt zu sein, die neben Passionsbildern wiederum einen – ausgezeichnet erhaltenen - Christophorus zeigen. Es sind die besterhaltenen Fresken aus dieser Zeit in ganz Bayern. Die Malereien sind seit der Neueindeckung der Kirche nur über eine verschlossene Seitentüre zugänglich. Schlüssel im kath. Pfarramt Piding.

Innenausstattung und ihre Deutung:

Ein kleines Detail weist auf das Programm hin, das diesem Kirchenbau – wie im Grunde vielen katholischen Kirchenbauten – zu Grunde liegt. Als Schlussstein im Chor findet sich das Bildnis Christi – erkennbar am Kreuz im Heiligenschein, dem sog. Kreuznimbus.

Die Darstellung bezieht sich auf den Epheserbrief des Apostels Paulus in dem es in Kapitel 2, Vers 20 bis 22 heißt:

„Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Christus Jesus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn. Durch ihn werdet auch ihr im Geist zu einer Wohnung Gottes gebaut.“ (Eph 2,20-22)

Der Schlussstein im Chorgewölbe stellt Jesus, den Schlussstein des Kirchen-Gebäudes dar: durch Jesus und seine frohe Botschaft wird das Gebäude der Kirche / die Gemeinschaft der Gläubigen / die Welt zusammen gehalten.

Johannishögl ist den beiden Johannes geweiht. Beide erwiesen sich als Propheten. Beide sind auf dem Flügelaltar im linken Seitenschiff dargestellt, der besondere Beachtung verdient. Ursprünglich war dies der Hochaltar der Kirche, er  stammt aus der Zeit um 1520/30 und ist im Schema eines spätgotischen Flügelaltares mit Schnitzfiguren im Schrein aus gemalten Flügeln aufgebaut. Die Heiligenfiguren des Schreines sind im Stil spätgotisch, während die qualitätvollen Malereien und die Ornamentik bereits dem Stil der deutschen Renaissance verpflichtet sind. Die Malereien werden dem Laufener Maler Gordian Guckh zugeschrieben. Die Flügel enthalten die Darstellungen innen der hl. Apostel Petrus und Paulus, außen der Heiligen des Bistums Salzburg Rupert und Wolfgang, in der Bekrönung Darstellungen des Johannes auf Patmos bei der apokalyptischen Vision, in der Predella wappenhaltende Engel. Die Wappen weisen auf den Stifter des Altares, Propst Wolfgang Griesstätter von Höglwörth, 1522‑41, hin. Als letzter Prophet des sog. Alten Bundes, d.h. dessen was Gott seinem Volk im Alten Testament mitgeteilt hat und auf dem die ganze Heilsgeschichte aufbaut, steht herausragend die Person Johannes des Täufers:

Er lebte als Asket in der Wüste (mit seinem Kamelhaarmantel als Büßer erkennbar) und hat auf Jesus, das Lamm Gottes hingewiesen, daher sein in Richtung Lamm auf seinem Arm ausgestreckter Zeigefinger im spätgotischen Flügelaltar. In liebevoller barocker Verkleinerung ist dieses Hinweisen des Täufers auf Jesus, das Lamm Gottes bereits in seine Kindheit vorverlegt: Der Johannesknabe im Kamelfellmantel spielt mit dem Lamm.

Der Gedenktag des Johannes wird seit alters her am Fest der Sommersonnwende (24.Juni) gefeiert. Christus ist das Licht; das Weihnachtsfest wird deshalb zur Zeit der Wintersonnwende begangen. Johannes weist auf Jesus hin; er führt die Menschen zu diesem Licht hin. Er wird im Johannesevangelium 5,35 auch die „Lampe, die brennt und leuchtet“ genannt. Auf dem Johanneshögl wurde jedes Jahr ein großes Johannesfeuer entzündet.

Er hat Jesus getauft.

Er ist für seinen Glauben gestorben. Seine Enthauptung durch Herodes, König von Gnaden der Römer in Judäa (?), ist im barocken Altarbild dargestellt. Salome Tochter des Herodes, hatte seine Tötung gefordert und hält nun sein Haupt auf einer Schale; eine sog. Johannesschale, befand sich in der Zeit der Spätgotik in der Kirche von Johanneshögl, sie befindet sich heute im Reichenhaller Heimatmuseum.

Johannes, der Evangelist und nach alter Überzeugung auch der Verfasser der sog. „geheimen Offenbarung“ ist der Prophet, der das Geschehen der letzten Tage und des Jüngsten Gerichts vorhersagt. Man sieht ihn im obersten Bild dem sog. Auszugsbild über dem Flügelaltar während er seine Vision vom sog. „apokalyptischen Weib“ auf der griechischen Insel Patmos niederschreibt.

Zu dieser Vision passen Reste einer Darstellung des Jüngsten Gerichtes auf der Rückseite des Flügelaltares: Früher war der Flügelaltar Hauptaltar. Dahinter wurde in dieser Zeit die „Ohrenbeichte“ abgenommen, Beichtstühle gab es damals noch nicht. Der Anblick des Jüngsten Gerichts sollte den Beichtenden auf das Wesentliche im Leben hinweisen und ihn zur Reue bringen.

Das Jüngste Gericht ist auch im Fresko aus der Mitte des 15. Jahrhunderts an der Nord-Wand der Kirche dargestellt und sollte ebenfalls die Menschen auf die Wichtigkeit eines guten Lebens hinweisen. Jesus ist in der Mandorla dargestellt, Sinnbild für die umfassende Herrschaft über den Erdenkreis. Um Jesus sind die Apostel versammelt. Maria und Johannes der Täufer treten als Fürsprecher auf. Die Teilung in Gerettete und Nichts-Gerettete weist auf die Wichtigkeit hin sich zu entscheiden. Johannes in seiner Offenbarung stellt uns das Leben bei Gott vor Augen, die Geretteten erscheinen als ‚Erleichterte’, neugeboren wie Kinder: „Kein Leid wird mehr sein, keine Klage, keine Mühsal… Seht ich mache alles neu.“ (Off 20)

Als Gegenstück auf der gegenüberliegenden Wand die Darstellung einer „Kreuzigung mit Gedräng“, wohl von einem Schüler des Salzburger Malers Konrad Laib Mitte des 15. Jahrhunderts geschaffen: eine umfassende Darstellung der Erlösung und des Gerichtes. Unter dem Kreuz Maria mit Johannes, dem Evangelisten und weitere heilige Jüngerinnen von Jesus.

Die Menge – Juden als Zuschauer und römische Soldaten - muss sich entscheiden, ob sie für oder gegen Jesus ist. Longinus, der römische Hauptmann, der Jesus mit der Lanze die Seitenwunde beibringt, bekehrt sich zu Christus. Die mitgekreuzigten Schächer entscheiden sich für bzw. gegen Jesus. Und doch wirkt auch in dieser „Gerichtsszene“ die Liebe Jesu: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Lukasevangelium 23,34. Hier wird Erlösung verdeutlicht: „Im Kreuz ist Heil im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung.“

Als Kurzformel verdeutlicht dies auch das große barocke Kreuz, das am Chorbogen hängt.

Nicht mehr in der Kirche aufbewahrt werden zwei spätromanische Holzfiguren, Maria und Johannes von einer Kreuzigungsgruppe Mitte 13.Jh., jetzt im Heimatmuseum Bad Reichenhall.

Umlaufend sind an den Längswänden der Kirche die 12 Apostelleuchter angebracht: sie stehen für die 12 Apostel und bilden das Fundament der Kirche. Das Fundament der Apostel wird auch durch die gleich zweimalige Darstellung der hervorragendsten beiden Apostel verdeutlicht: Petrus mit dem Schlüssel, der seine Löse- und Bindegewalt (vgl.   ) versinnbildlicht und Paulus mit dem Schwert, das seine Hinrichtung durch das Schwert aufgrund seines Einsatzes für die Verbreitung des Glaubens anzeigt: an den geöffneten Flügeln des Flügelaltares und die Figuren rechts und links am Hochaltar. Eine Darstellung der Apostel findet sich auch im Fresko vom Jüngsten Gericht.

„Auch wir“ sollen Wohnung Gottes sein: erlebbar wird dies in der Feier der Eucharistie hier im Gottesdienstraum: Christus nimmt als „Leib Christi“ in Form der Hostie unmittelbar erfahrbar „Wohnung“ im Gläubigen. „Wohnung Gottes“ sein meint nach christlichem Glauben aber mehr, nämlich den Auftrag Jesu im Leben zu verwirklichen: „Gott zu lieben“ und „deinen Nächsten zu lieben wie dich selbst.“ (Lk 10,27) 

Leben ist eingespannt zwischen Gut und Böse (Georg), Leben und Tod (Kreuzigung und Jüngstes Gericht), der Glaube an Jesus Christus kann retten. 

Einzelheiten:

Darstellung des Hl. Georg in der Kirche und an der Kirchenwand, zeigt den Kampf von Gut und Böse in erzählerischer Form: die Georgslegende  berichtet, dass ein Drache – Sinnbild des Bösen und der Versuchung des Menschen – ein Königreich heimsuchte und durch das Opfer von Schafen besänftigt wurde, bis eines Tages nur mehr Menschen zum Opfer übrig waren. Das Los fiel auf die Tochter des Königspaares. Georg, Ritter, der sich zum Christentum bekehrt hatte, besiegt den Drachen und rettet so die Königstochter.

Barocker Hochaltar: Architektur, Skulptur und Ornamentik des Altares sind hübsche Erzeugnisse der bäuerlichen Barockkunst des Alpenvorlandes vom Anfang des 18. Jh. Über allem thront Gottvater mit der Weltkugel in der Glorie, umgeben von Engelschören. Auf dem Tabernakel, Aufbewahrungsort der Hostien, findet sich das interessante „Pelikanmotiv“: nach damaliger naturkundlicher Vorstellung stach sich der Pelikan mit dem Schnabel selbst in die Brust, um seine Jungen zu nähren (das Heraufwürgen der Nahrung des Vogels zum Füttern der Jungen wurde in dieser Weise missdeutet); dies wurde als Bild für Christus gedeutet, der sich selbst für die Menschen hingab, erlebbar in der Feier der Eucharistie.

An den Schrägwänden des Chores finden sich zwei spätgotische Figuren der Pestheiligen Sebastian und Rochus. Sebastian überlebte die Wunden durch die Pfeile (im Volksmund die „Pfeile der Pest“). Rochus steckte sich bei der Pflege Pestkranker auf seiner Pilgerreise (die Jakobs-Muschel am Hut  weist ihn als Pilger aus) nach Rom selbst an.

Darstellung des Hl. Sebastian und eines heiligen Bischofs, die durch den Ausbruch eines Fensters in der Barockzeit beeinträchtigt wurden.

Im Vorraum der Kirche findet sich ein Votivaltar mit Inschrift von 1616, der Malereien (Hl. Wolfgang und Maria) im Stil der deutschen Renaissance enthält.

Der Hauptraum der Kirche wird von spätgotischem Netzgewölbe überspannt. Er enthält Reste spätgotischer Wandmalerei, unter der besonders die Darstellung der Kreuzigung bemerkenswert ist.

Die westliche Empore enthält reizvolle Darstellungen heiliger Einsiedler in Landschaften, die von niederländischen Miniaturen des 17. Jh. angeregt sind. Diese Bildern der Einsiedler lassen sich wieder als Hinweis auf die besondere religiöse Kraft dieses Ortes verstehen.

Die Lage der Kirche auf einer Aussichtskanzel des Voralpenlandes und ihre mittelalterlichen Kunstschätze stellen die Kirche von Johanneshögl gleichrangig der berühmten Streichenkapelle im Chiemgau zur Seite.